Freitag, 31. März 2023

02.01.2023, Montag - Schmidt

DIE WELT _ DEUTSCHLAND - RUSSLAND - 12.03.2015

 Altkanzler Schmidt nennt Putins heimliche Sorgen

 „Putins Politik muss uns nicht gefallen“: 

 Helmut Schmidt rät zu mehr Zusammenhalt mit Russland. Wieso Putin sich provoziert fühlt und was in ihm vorgehe - darauf hat der Altkanzler Antworten.

 Altkanzler Helmut Schmidt hat sich in einem Interview für mehr Verständnis für Russland ausgesprochen. Gegenüber der „Bild“-Zeitung mahnte er, sich stärker in den russischen Präsidenten Wladimir Putin hineinzudenken. Es sei „nicht völlig ausgeschlossen“, dass aus dem Konflikt um die Ukraine „sogar ein heißer Krieg wird“, sagte er.

„Das muss nicht an Herrn Putin, an Frau Merkel oder Herrn Hollande liegen. Der Grundfehler wurde vor einem Vierteljahrhundert in Maastricht gemacht.“ Dort seien die „Grundsteine für die Ausdehnung der EU nach Osten gelegt“ worden. Nach der Meinung des Altkanzlers „ohne jede Rücksicht auf Geschichte.“

Russland habe sich laut Schmidt durch zwei Dinge provoziert gefühlt: Erstens durch die Ausdehnung der Nato im Osten und zweitens dadurch, dass „selbst Ländern wie der Ukraine oder dem fernen Georgien“ der EU-Beitritt angeboten worden sei.

 VOR ALLEM WÜRDE ICH MICH FRAGEN, WIE ICH RUSSLAND, DIESES RIESENHAFTE TERRITORIUM VON DER OSTSEE BIS ZUM PAZIFIK, AUFRECHTERHALTE.

HELMUT SCHMIDT, WENN ER WLADIMIR PUTIN WÄRE, Altkanzler

 Angesprochen auf eine Lösung in der Ukraine-Krise, versetzt sich Schmidt gedanklich in die Lage des russischen Präsidenten und überlegt, was seine größten Sorgen an dessen Stelle wären. Es seien weder die Krim noch die Ukraine-Krise, vermutet Schmidt.

„Ich würde vielmehr daran denken, dass sich die Sowjetunion aufgelöst hat und in viele selbständige Staaten zerfallen ist. Und vor allem würde ich mich fragen, wie ich Russland, dieses riesenhafte Territorium von der Ostsee bis zum Pazifik, aufrechterhalte.“

 PUTINS POLITIK MUSS UNS NICHT GEFALLEN.

HELMUT SCHMIDT, Altkanzler

 Auch die Bedrohung durch Nachbarstaaten würde ihn als russisches Staatsoberhaupt beunruhigen. Seine Bedenken würden nicht Polen oder Litauen gelten, sondern China und Pakistan. Letzteres sei durch seine islamische Kultur ein unsicheres Land.

Der 96-Jährige wies darauf hin, dass die Erdbevölkerung bis zum Jahr 2050 von „über 7 auf über 9 Milliarden Menschen“ anwachsen wird. Allerdings würden in „Europa, Russland und Japan“ die Einwohnerzahlen schrumpfen. „Das verschiebt die Gewichte der Macht auf dem ganzen Erdball.“ Für Schmidt täten deshalb Russland und Europa gut daran, „zusammenzuhalten, statt sich zu spalten“. Sonst würden die Staaten in wenigen Jahrzehnten weder politisch noch wirtschaftlich eine Rolle spielen.

Krisenherde bringen „langfristige Probleme“ mit sich

Wie die drohende Staatspleite Griechenlands oder der IS-Terror stelle auch der Konflikt in der Ukraine eine gefährliche Krise dar. Er riet zu Geduld, da hinter den Krisenherden langfristige Probleme steckten. „Wir dürfen uns nicht einbilden, dass der Westen diese Gefahrenherde schnell beseitigen könnte.“

Ein Bankrott Griechenlands und der Austritt aus dem Euro ("Grexit") könnten nach Meinung des Altbundeskanzlers zu Verwerfungen im Bankensektor führen. „Das alles wird uns noch bis an das Ende dieses Jahrzehnts beschäftigen und auch weit darüber hinaus.“

Bezüglich des Zerfalls der Sowjetunion erinnerte Schmidt an den damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Russland sei von den Beschlüssen der EU zur Ost-Erweiterung Anfang der 90er Jahre in einer „Wild-West-Periode“ unter Jelzin überrascht worden.

„Das rächt sich heute“, sagte Schmidt, denn Jelzins Nachfolger Putin habe Russland wieder internationale Beachtung verschafft, „die es in den 90er Jahren nicht hatte. Putins Politik muss uns nicht gefallen. Aber wir müssen sie aus der Geschichte verstehen und ernst nehmen.“

Anfang März hatte Schmidt sein neues Buch „Was ich noch sagen wollte“ vorgelegt, in dem er eine persönliche Bilanz zieht. Darin sprach er auch offen über seine Ehe mit Loki und gestand eine Affäre zu einer anderen Frau.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

31.12.2023, Sonntag - Kirchen und Magen

Kirchen und Magen Mafiöse Strukturen in den deutschen Kirchen? … Brave Christen vererben immer schon ihre Häuser, Eigentumswohnungen, Grun...